Verbandsliga-Lowlights (4)

Da mir aus der dritten Runde noch keine weiteren Partien vorliegen, mache ich schon mal mit der vierten weiter. Besonders viel zu zeigen gibt es allerdings nicht, schon gar keine Highlights. Es war einfach ein verrücktes Match. Ich habe ja schon viele Male in der Verbandsliga gespielt, aber an eine derartige Patzeritis-Epidemie auf dieser Ebene kann ich mich nicht erinnern. Deshalb hier nur wenige kurze Ausschnitte.

Zum Dauerbrenner entwickelt sich allmählich das Thema Bauernführung. Auch der letzte Spieltag brachte wieder eindrückliche Beispiele, wie man es auf keinen Fall machen soll.


Hier haben wir eine Stellung aus der Partie Staufenberger – Linke, ein handelsübliches abgelehntes Wolga-Gambit. Houdini schlägt z.B. 16…Db4 vor und meint, dass Weiß bestenfalls einen Tick besser steht. Konkret zu prüfen wäre, ob Schwarz nicht sogar zu c5-c4 nebst Sc5-d3 kommt, wonach er besser stünde. Jedenfalls geschah stattdessen: 16…g5?? 17.Sd1!+- Weiß erhält mit einfachen Mitteln eine Gewinnstellung, indem er seinen Springer nach f5 überführt und mit h2-h4 den geschwächten Königsflügel aufhebelt. Ich bin sprachlos.


Eine verblüffende Parallele ergab sich in der Partie Lankes – J. Jansen. Nach ausbaufähiger Eröffnung war Jörg in diese Horrorstellung geraten und konnte eigentlich nur auf seine Exekution warten. Weiß kann beliebig schalten und walten, u.a. liegen Opfer auf h7 oder g6 in der Luft. Logisch und gut sieht z.B. 19.Sg5 aus, mit folgendem Tf3-g3. Um den Bauern d4 muss man sich keine Sorgen machen, da Schwarz mit dem Schlagen nur in eine üble Fesselung geraten würde. Stattdessen verschenkte Weiß mit zwei Bauernzügen praktisch den ganzen Vorteil: 19.g4? Lc8 20.g5?? Sh5 An dieser Vorgehensweise ist so viel falsch, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Man vergleiche einfach die jeweiligen Wirkungsmöglichkeiten der Figuren vorher und nachher. Dabei wird man feststellen, dass für Schwarz ein Traum in Erfüllung gegangen ist. Auf einmal gibt es wieder Perspektiven! In der Computersprache ist die Stellungsbewertung binnen zwei Zügen ungefähr von +2.5 auf 0 abgesunken, wohlgemerkt ohne dass Weiß irgendetwas Konkretes übersehen hätte. Kinder, seid vorsichtig mit den Bauernzügen!


Damit hier nicht der Eindruck entsteht, ich würde mich nur über andere Leute lustig machen, zeige ich noch kurz, wie ich es selber verpatzt habe. Ich hatte eine Figur mehr, eine ordentliche Stellung und genügend Zeit auf der Uhr. Alles war bestens und ich rechnete jeden Moment mit der gegnerischen Aufgabe. Mir war auch sonnenklar, dass ich nach dem auf der Hand liegenden 23.Sxg7 Kxg7 24.b4 total auf Gewinn stehe. Meinem König droht keine Gefahr, in der f-Linie tauschen sich die Türme usw. Zum gefühlt zehntausendsten Mal in meiner Karriere missachtete ich jedoch Capablancas goldene Regel, die da lautet: “Wenn du einen guten Zug siehst, dann spiel ihn einfach.” Vielleicht ist die Botschaft nun endlich angekommen?! Schön wär’s. Jedenfalls wollte ich es wieder einmal ganz besonders genau machen und konnte zudem meinen Impuls nicht unterdrücken, unbedingt so schnell wie möglich die Damen tauschen zu wollen. Also bastelte ich mir eine entsprechende Variante zusammen. 23.Tf1?? Sxe6 24.Txf7 Ich hatte sorgfältig berechnet, ob nun irgendwelche Zwischenzüge wie 24…Ld4+ zu fürchten sind. Sind sie nicht. 24…Kxf7 Aha, Resignation. 25.Df1+? Ein klarer Fall, oder? Es ist Schach und seine Dame hängt. Also muss er tauschen, ich nehme mit Schach zurück, dann schlage ich auf e6 und es ist absolut vorbei. Aber als die Stellung auf dem Brett stand, sah ich schon das Malheur… 25…Df5 Jaja, das ist auch ein legaler Zug. Darauf hätte man kommen können. Oh Mann. 26.dxe6+ Kxe6 27.Te1+ Kd7 28.Dxf5+?! (wahrscheinlich auch nicht gut, aber mein Impuls, wie gesagt…) gxf5 Objektiv steht Weiß wohl immer noch besser, aber Schwarz hat schon zwei Bauern für die Figur und gegen die bewegliche Bauernmasse im Zentrum tun sich schon erhebliche praktische Probleme auf. Es ist halt auch ziemlich schwer, eine Schachpartie zu bestreiten, wenn man gerade unter dem intensiven Eindruck steht, unglaublich blöd zu sein. Deshalb ging die Partie schließlich noch vollends in die Binsen. Am Ende fehlte ein halber Punkt zum Mannschaftssieg, das war auch klar.

2 Kommentare

  1. > Alles war bestens und ich rechnete jeden Moment mit der gegnerischen Aufgabe.

    Chwarz hat das noch weitergechpielt? Chleudert den Purchen zu Poden!

    http://www.youtube.com/watch?v=fPaDlNPbDSM

  2. P.S.
    Und das hier (ab 0:30 min) wäre die entsprechende Musik zum etwas schiefen Wettkampf 🙂

    http://www.youtube.com/watch?v=CLQ7xYnyIBQ

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