Verbandsliga-High- und Lowlights (3)

Der Sieg gegen Langenau II war eine glatte Geschichte und auch in dieser Höhe vollauf verdient. Nach meinem Eindruck stand keiner unserer Spieler jemals eindeutig schlechter. Besonders positiv war die Weißbilanz von 4/4, obwohl sich erstmals in dieser Saison ein Spieler, der hier nicht öffentlich bloßgestellt werden soll, zu 1.e2-e4?! hinreißen ließ. Viele Partien verliefen einseitig, aber ein paar zeigenswerte Ausschnitte sollen hier nach und nach (sobald die Partien erfasst und ausgewertet sind) doch präsentiert werden.


Aus meiner eigenen mittelmäßigen Partie nur ein kurioser Moment. Ich weiß nicht, was meine Gegner in dieser Saison reitet, aber ihre Bauernführung ist schon auffällig. Über die erste Runde habe ich ja schon berichtet und Meister Wutzke in Runde 2 verbrach zwar nichts ganz so Schlimmes, aber wie er sich ohne Not seinen Läufer einmauerte, war schon auch eigenwillig. Mein nächster Langenauer Gegner fabrizierte nun Folgendes:

Nach perfekt gelaufener Eröffnung (der Bauernzug (!) e7-e6 war Käse) wollte ich den Gegner flott zusammenschieben, verrechnete mich aber total und hatte hier schon irgendwie keine Lust mehr, auch wenn die Stellung ungefähr ausgeglichen sein dürfte. Da geschah plötzlich 26…exf5?? und ich erwachte schlagartig aus meiner Lethargie. Ein Sonnenstrahl durchriss den Nebel, Harfenmusik tönte vom Himmel herab. Was war das, ein Traum oder Realität? Mir fiel spontan eine Passage aus Yasser Seirawans Buch “Chess Duels” ein (Kommentar zu einem verheerenden Bauernzug von keinem Geringeren als Garry Kasparov): “Ich wollte am liebsten ums Brett herum trippeln, Garry ein Küsschen auf die Wange hauchen, ein leises “Dankeschön” säuseln und wieder zurück trippeln. Aber die TV-Kameras schüchterten mich zu sehr ein.” Auch ich hielt meine zärtlichen Impulse zurück, obwohl ich keine TV-Kameras entdecken konnte. 27.exf5 Lxg2+ 28.Kxg2 (endlich war ich die Krücke los!) Df8 Das sieht nach einem Einsteller aus und war auch einer, aber im Grunde steht Schwarz sowieso schon total auf Verlust. Mein Springer ist plötzlich zum Monster mutiert. 29.Dxf8+ Kxf8 30.fxg6 hxg6 31.Se6+ Hoppla. Die Verwertung der Mehrqualität ist übrigens gar nicht so trivial, aber letztendlich schaffte ich es.

5 Kommentare

  1. Ups. Tja, doof gelaufen für Schwarz – da hat wohl jemand die Nerven verloren.

    Und ich merke schon, ich muss zurückkommen – kann ja wohl nicht sein, dass in 12 Partien gerade einmal einmal mit e2-e4 eröffnet wurde…

  2. Eigentlich versuche ich ja immer, die e4-Spieler mit Schwarz spielen zu lassen, aber dann hat Bernd mir mit seiner Absage am Samstag einen Strich durch die Rechnung gemacht 🙂

  3. 26…exf5? sieht wirklich nicht gut aus – aber ich möchte zur Diskussion über 1.e4!? eine Sache beitragen. Kürzlich gab es in Bilbao eine Partie, in der m.E. endgültig die Wachablösung an der Weltspitze vollzogen wurde:

    1.e4!? c5
    2.Sf3 d6
    3.Lb5+ Ld7
    4.Lxd7+ Dxd7
    5.c4 Sf6

    Nur Zugumstellung ist meistens 5… Sc6 6.d4 cxd4 7.Sxd4 g6, Schoof,M – Hamann,H, Bad Schwartau 1985 😉

    6.Sc3 g6
    7.d4 cxd4
    8.Sxd4 Lg7

    mit Ausgleich. Also liegt Weiß noch nicht “in den letzten Zügen”.

    WM Anand (Schwarz) wurde dann aber von einem talentierten jungen Norweger wie ein Schuljunge vorgeführt – “it went from bad to worse for world champion Viswanathan Anand as he suffered a shocking loss”, scheibt die Indian Times.

    Also – auch wenn ich selbst eher zu 1.d4 tendiere, sieht 1.e4 doch ganz ok aus.

  4. schreibt*

    (schade, dass man seine Einträge nicht editieren kann – wie das auf anderen Webseiten möglich ist)

  5. Hm, da sehe ich leider nicht, wie ich die Einstellung dazu ändern kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.