Verbandsliga 2015/16: Langenau

Zur Veranschaulichung des Spielberichts zeige ich noch ein paar Schnappschüsse aus dem Partienmaterial, soweit es mir vorliegt. Wenn es schon am Brett nicht klappt, kann man ja versuchen, wenigstens in der Analyse zu gewinnen 🙂

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Ich orientiere mich einfach an der Brettreihenfolge, beginne also mit Hahnewald – Hönsch. Die weiße Stellung sieht doch eigentlich mit der Bauernmehrheit am Damenflügel und den druckvollen Läufern ziemlich angenehm aus. Nicht dass ich mich beschweren würde, aber ich ahne nicht, was Meister Hahnewald dazu bewog, mit 20.Ld4?! remis anzubieten. Nach 20.b5 Txc3 21.Dxb7 steht Weiß besser, und zwar ohne jegliche Verlustgefahr.

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Von ganz anderem Kaliber war jedoch der Vorteil, den Martin gegen Harald Schlais auf dem Brett hatte. Neben diversen Möglichkeiten im Mittelspiel bestand auch schon in der Eröffnung die Möglichkeit, auf die Siegerstraße einzubiegen: 14.g4? Sh6 führte erst einmal zu nichts (später überspielte Martin den Gegner noch einmal); sehr stark war hingegen 14.Sxf7! Kxf7 15.g4 Lc2 16.gxf5 Lxf5 17.Lh3 Ke8 (17…g6 18.Lxf5 gxf5 19.Dh5+ ist noch schlimmer) 18.Lxf5 exf5 19.Dxf5 und hier endet Martins Analyse mit der Bewertung “klarer Vorteil”, was noch untertrieben sein dürfte. Mit Mehrbauer bei besserer Stellung sollte Weiß glatt auf Gewinn stehen.

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An meiner eigenen Verlustpartie gegen Thomas Herz bedrückt mich vor allem, dass ich manche Sachen ganz falsch eingeschätzt habe. In der Diagrammstellung beispielsweise war ich nach meinem letzten Zug 26…Lc6 zwar nicht gerade begeistert von meiner Lage, aber doch verhalten optimistisch, mich behaupten zu können. Weiß droht doch eigentlich nichts, der d-Bauer ist blockiert und könnte auch zur Schwäche neigen?! Hätte ich in diesem Moment die Computerbewertung schätzen sollen, hätte ich auf die Größenordnung +0.5 getippt. Tja, knapp daneben: Die Top-Engines Houdini und Komodo kommen übereinstimmend auf +3.5, also eine haushohe Gewinnstellung für Weiß. Das größte Problem für Schwarz ist… Zugzwang! Nach dem starken 27.h4! (27.Tc5 war auch gut) war mein 27…Td7? zwar sackblöd, weil ich nach 28.Tc5 (droht 29.Lb5) den Turm wieder zurückziehen musste, aber in jedem Fall wären mir schnell die unschädlichen Züge ausgegangen. Wenn ich z.B. mit 27…h5 den weißen h-Bauern blocke, kommt auch 28.Tc5 und jetzt viel Spaß. Eigentlich kann nur noch der König ziehen, aber auch nicht mehr lange, z.B. 28…Kg7 29.Kh2!? Kg8 30.Le5 und rien na va plus. Furchtbar!

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Kommen wir zur Partie J. Jansen – Schneider. Die Stellung sieht nicht so spannend aus, birgt aber diverse positionelle und taktische Feinheiten. Empfehlenswert für Schwarz wäre hier gewesen, mit 17…h5! eine potentielle Schwäche aufzulösen, wonach er zumindest keinerlei Probleme gehabt hätte. Ein nettes Detail ist, dass 18.g3? mit dem mörderischen 18…Se4!! beantwortet wird. Dann hilft auch nicht 19.De1 Sxg3 20.Th3 wegen 20…h4 mit Befestigung des Springers. Wir kommen gleich noch einmal auf dieses Motiv zurück. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass das sofortige 17…Se4 auch möglich ist, aber nach 18.De1 nicht viel einbringt, während 17…Sxg4? 18.Dh4 eine Figur einstellt. In der Partie geschah der Schablonenzug 17…Sbd5?!, wonach 18.g3! deutlich besser funktionierte. Wie soll Schwarz nun reagieren? Nach 18…Se4!? 19.De1! Sxg3 20.Th3 fehlt die Unterstützung des h-Bauern, so dass man mit 20…Sf1! 21.Dxf1 Se3 im Trüben fischen müsste. Nicht einmal unspielbar, aber auch nicht das, was man sich eben noch vorgestellt hat. Noch weniger geht 18…Sxg4? 19.De1! mit Figurenverlust. 18…Dc7 19.g5 Se8 20.Se4 ist wiederum positionell unerfreulich. Also geschah 18…Dg5 19.Tde1 und hier hätte Schwarz merken sollen, dass seine Dame unter Atemnot leidet. Mit 19…Se8 und leichtem Nachteil wäre dies noch halbwegs schadlos zu beheben gewesen, es geschah aber 19…h5?? 20.Te5 Dg6 21.Lb1 (erster Damenfang) Sxg4!? 22.fxg4 Dxg4 23.Th4! (zweiter Damenfang!) 1-0

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Ein Schock war natürlich das Ende der Partie Beck – Uhlig, aber solche Fingerfehler sind schon in höchsten Kreisen vorgekommen: 25…Lxf3?? vergaß einfach den Zwischentausch auf d6. Nach 25…Txd6 26.Txd6 Lxf3 27.Txf6 Lxg4 28.Txf7+ Kg6 wäre Schwarz hingegen in keiner Verlustgefahr gewesen. Wenn Weiß mit seinem mickrigen Mehrbauern übermütig wird, verliert er es eher noch.

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In Schumann – F. Hörsch war eigentlich der volle Punkt fest eingeplant, da sich zum Mehrbauern zunächst auch noch erheblicher Stellungsvorteil gesellte. Die technische Leistung unseres Mannes wollen wir hier nur am Rande streifen. Positionell sah es hier schon nicht mehr ganz so prall aus wie einst, aber nach 28.Td1!? wäre eigentlich immer noch ein gesunder Mehrbauer zu verzeichnen gewesen. Weiß will auf d4 lieber mit einer Figur verbleiben, als sich einen Isolani andrehen zu lassen, der vom Springer blockiert werden kann. Kontraproduktiv war in diesem Sinne der Einschub von 28.De4?! g6, denn nun kann 29.Td1 ohne Turmverlust mit 29…dxe3 beantwortet werden. Also 29.Txd4 Txd4 30.exd4 Dd6 und nun war es schon ziemlich zäh. All diese Feinheiten sind aber im Grunde unerheblich, denn in der Diagrammstellung hat Weiß einen sofortigen Gewinnweg, der zugegebenermaßen nicht einfach zu sehen ist, aber dafür umso schöner: 28.Txb4!! Dxb4 29.Dxd7! mit Mattmotiv auf der Grundreihe. “Das wäre Ihr Preis gewesen!” (Rudi Carrell)

2 Kommentare

  1. Das zugegebenermaßen ängstliche Remisangebot von Meister Hahnewald ergab sich aus der Vorgeschichte, dass er bereits nach der Eröffnung schlechter zu stehen glaubte, sich dann aber sauber zum Ausgleich kämpfte. Nach 20. Ld4 Td8 ist gar nichts mehr los, 20.b5 Txc3 21.Dxb7 Lc5 ergibt aber auch nur leichten Vorteil für Weiß – was einen mit Schwarz aber auch nicht zwingend daran hindern muss, solche Stellungen auch zu verlieren. Übrigens hatte ich ein paar Züge zuvor noch an 20.Lxa7 Txc3 21.Dxb7 Dxb7 22.Lxb7 Lxb4 herum gerechnet, bis ich sah, dass 22… Tc7 billig eine Figur gewinnt.

  2. Tja – bitter war, dass ich Sxf7 natürlich gesehen habe. Was ich dagegen nicht gesehen habe, war Sh6 – irgendwie entgehen mir so einfache Züge in letzter Zeit öfter mal. Ich werde meine Partie auch nochmal ausführlicher kommentieren – sie war recht lehrreich.

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