Nach Weihnachten fand wieder das Böblinger Open stand. Während es für Malte Michael und Gabriel Teixidor eine Wiederkehr war, starteten Moritz und Yannik Hurm zum ersten Mal, weil in den letzten Jahren andere Schachturniere zur gleichen Zeit praktischer waren. Alle unsere Teilnehmer starteten im B-Open, obwohl Moritz, Malte und Yannik auch im A-Open hätten starten können. Moritz war durch die letzten Grenke und Staufer-Open wenig angetan von übermotivierten, guten Spielern und schaute ebenso wie die beiden anderen auf ein mögliches Preisgeld. Gabriel war etwas hinter der Mitte gesetzt, für ihn ging es vor allem ums Spielen, selbst ein Raitingpreis war unwahrscheinlich, da er knapp in die Kategorie >1500 hineingerutscht ist.
Runde 1:
Zu Beginn waren Moritz, Malte und Yannik natürlich hoher Favorit, Gabriel dagegen Außenseiter. Und auch alle Partien gingen erwartungsgemäß aus. Yannik gewann rasend schnell nach Gewinn einer Qualität. Malte musste zumindest ins Endspiel, war zeitlich allerdings auch schnell dabei. Einzig Moritz musste zumindest um die 3 Stunden spielen, mit Schwarz gegen ein langweiliges Londoner System braucht es aber auch länger.
Runde 2:
Weiterhin sind Siege bei den 3 vorderen Kökis Pflicht. Dies setzen sie auch schön in die Tat um. Yannik konnte schon wieder nach wenigen Zügen mit einem taktischen Schlag die Partie vorentscheiden. Moritz verschaffte seinem Gegner strukturelle Schwächen und nutzte diese dann aus. Malte verrannte sich in seinem Turmendspiel zunächst und hätte stellungstechnisch eigentlich ums Unentschieden kämpfen müssen. Remisangebote seines Gegners lehnte er aber mehrmals ab, bis dieser an einer Stelle unachtsam war und Malte einen Freibauern zwingend durchdrücken konnte. Gabriel hatte in Runde 2 einen noch stärkeren Gegner zugelost bekommen und konnte wieder wenig ausrichten.
Runde 3:
Abends war dann das perfekte Ergebnis für die Königskinder. Mit 4 Siegen beendeten wir den Tag. Gabriel hatte endlich auch mal jemand Schwächeres gegenüber sitzen und fertigte diese fachmännisch ab. Yannik provozierte Schwächen und bearbeitete sie dann sehr zielgerichtet, bis er im Turmendspiel mit einem Mehrbauern völlig auf Gewinn stand. Wegen einer Ungenauigkeit sah er sich gezwungen, den Mehrbauern zurückzuopfern, um seine spielentscheidenden Vorteile zu behalten. Moritz Hurm musste an den hintersten Brettern spielen, da sein Gegner körperlich eingeschränkt war. Geistig war er aber voll auf der Höhe und bot Moritz lange Paroli, erst in schwieriger Stellung passierten entscheidende Fehler. Malte gewann Abends dann wieder ohne Schwierigkeiten.
Runde 4:
Inzwischen waren die Gegner auf einem kompetitiven Niveau angekommen, sodass die Spiele ordentlich gewonnen werden mussten, und auf einen Sieg gab es sowieso keine Garantie mehr. Auch bei Gabriel zeigte sich dies und es kam zu einer erkämpften Punkteteilung. Malte versuchte anzugreifen, war aber nie bedrohlich genug, während er Bauern verlor. Sein Gegenüber war sogar so wenig beeindruckt, dass er mit mehr Bedenkzeit als zu Beginn den Sieg holte. Moritz drückte in vorteilhafter Stellung und jagte auf einmal seinen h-Freibauern unaufhaltsam bis zur Grundreihe zum Gewinn durch. Yannik geriet dagegen in große Probleme und musste sich eines heftigen Angriffes erwehren. Als er gerade wieder ins Spiel gefunden hatte sah er sich mit einem Damenopfer konfrontiert. Das sah jedoch schöner aus als es war, und die Partie für Yannik entschieden.
Runde 5:
Mit voller Punktzahl waren jetzt noch 3 Spieler, darunter Yannik und Moritz. Wie es natürlich kommen musste, wurden beide gegeneinander gelost. Das Brüderduell endete aber schnell in einer bekannten Zugwiederholung. Malte fühlte sich wohl von Yanniks Morgenrunde inspiriert, denn auch er opferte die Dame, hier war aber alles korrekt, denn sein Bauer konnte nicht mehr von der Umwandlung abgehalten werden. Somit blieb er weiterhin an der Spitze dran. Auch Gabriel vollendete den Abend mit einem Erfolg.
Runde 6:
Gabriel konnte seinen Lauf fortsetzen und gewann noch einmal. Damit rückte er wieder in eine Punktezahl mit schweren Gegnern. Malte und Moritz gewannen überzeugend, zweiterer hatte den Vorteil, die aufs Brett kommende Variante mit beiden Farben zu spielen. Mit einem Bauernopfer holte er sich zu starke Vorteile. Yannik durchlebte ein Wechselbad der Gefühle. Er knockte den Gegner in der Eröffnung aus, gewann Dame gegen 2 Figuten, engte sich dann selbst ein, gab noch einen Turm drauf und stand eigentlich auf Verlust. Aber upsi – ein Springer wurde eingestellt und außer Remis ging nichts mehr.
Runde 7:
Moritz führte inzwischen alleine das Turnier an und die Losfee wollte sich das nächste Königskinder-Duell zeigen lassen, sodass Malte zu ihm hochgelost wurde. Auch hier wurde jedoch schnell Remis vereinbart, wobei jedoch gemunkelt wird, dass Moritz eigentlich auf Gewinn stand. Yannik traute sich nicht, gegen ein dubioses Gambit zuzulangen, nach Damentausch wurde auch hier remisiert. Gabriel konnte ein weiteres Mal nicht geschlagen werden und holte gegen einen dicken Brocken ein sehenswertes Unentschieden. Ein weiteres Mal konnten alle Kökis das gleiche Ergebnis erzielen.

Runde 8:
Zum letzten Tag lief das Rennen um die Preisgelder. Zu Moritz war durch das Unentschieden aufgeholt worden, Yannik und Malte waren in der Verfolgergruppe mit halbem Punkt dahinter. Yannik sah sich mit großem Käse konfrontiert. Felderschwächen, Umhergeziehe und Planlosigkeit sorgten für einen großen Vorteil für Yannik. Sein Mehrbauer und Teufelsspringer kassierten den vollen Punkt ein. Moritz spielte eine durchschlagende Angriffspartie. Fairerweise muss dazu auch gesagt werden, dass sein Gegner von der Struktur keine Ahnung zu haben schien und vermutlich eine veraltete Partie zur Grundlage für die Vorbereitung verwendete. Ein bisschen machte Moritz sich noch das Leben schwer, indem er ein paar forcierte Matts übersah. Malte schien ebenfalls ganz oben anzugreifen. Er wusste es besser als Yannik (aber auch dank Yannik), wie das gleiche dubiose Gambit zu beantworten war: Indem er es einfach annahm. Sein Endspiel mit 5 Bauern gegen einen Springer sah klar gewonnen aus, allerdings lief in einen Trick und ein Mattnetz, als dessen Resultat nur noch die Züge wiederholt werden konnten. Gabriel konnte seinen Lauf nicht fortsetzen. Fast schon erwartungsgemäß musste er sich geschlagen geben.
Runde 9:
Moritz führte nun in der letzten Runde alleine das Feld an, zudem eine uneinholbar gute Zweitwertung. Damit war klar: Mit Remis reicht es für den Sieg. Yannik war einen halben Punkt dahinter, Malte einen ganzen, beide aber nur mit mittlerer Zweitwertung. Erzählungstechnisch würde es wahrscheinlich Sinn machen, Moritz Partie zuletzt zu erwähnen, allerdings war er zeitlich als erster Spieler fertig. Er zwang seinen Herausforderer das Remisangebot anzunehmen, indem er einfach drückend gut stand. Aber um die restlichen Preisgelder wurde weiterhin gekämpft. Yannik hatte eine angenehme Stellung und es sah kurzzeitig nach einem Doppelsieg der Familie Hurm aus, aber nach Figurentausch war nur noch ein Remis drin. Malte spielte währendessen eine denkwürdige Partie. Er stand trotz Qualität mehr auf Verlust, 3 verbundene Freibauern gegen ihn wogen dies nämlich mehr als aus. Sein Gegner Mirko Kieninger zeichnete sich aber lieber durch Unsportliches Verhalten aus und versuchte dämliche Psychotricks. Er ließ Malte dann aber eine Blockade aufrichten, verpasste einen einfachen Gewinn nach einem Gedankenaussetzer Maltes und verlor sogar noch. Gabriel musste zum Schluss leider noch einmal seinem Gegenüber zum Sieg gratulieren, nachdem im Material verloren gegangen war.
Fazit:
Wie bereits erwähnt, holte Moritz somit den ersten Platz dank seiner besseren Zweitwertung. Dabei wäre es auch egal, ob Buchholz, Sonnborn-Berger oder Gegnerschnitt (was hier angewandt wurde) angewendet worden würde. Er führte das Turnier durchgehend an, manchmal alleine, manchmal geteilt und war ständig an Brett 1 zu finden. Für Yannik und Malte reichte es haarscharf nicht zu einem Preisgeld. Mit einem guten 5. bzw. 6. Platz, minimal schlechterer Zweitwertung und einem merkwürdig auf 4 Leute gekappten Preisgeldsystem reichte es nicht ganz für die erhoffte finanzielle Vergütung. Gabriel endete auf dem 94. Platz, knapp über der Erwartung, bestätigte seine neu erreichte Spielstärke und hatte in der Mitte des Turniers einen richtigen Lauf.
Etwas durcheinander gebracht wurden das Turnier durch die Verwendung von ELO als primäre Setzliste und Zweitwertung. Bei Jugendlichen mit wenig ausgewerteten Turnieren kann diese sowieso schon ordentlich von der eigentlichen Spielstärke und der DWZ abeichen, mit der erst kürzlich erfolgten Anhebung sind diese vollends durcheinander. So war es etwas vom Glück abhängig, ob der jeweils Zugeloste wirklich die angezeigte Spielstärke hat oder mehrere Hundert Punkte darunter. Gabriel erwischte zwei solcher Kandidaten, Moritz einen in Runde 8 und Malte einen in Runde 9, Yannik widerum keinen.

Partien: